
Musik schwingt zu den Sternen
Rauschender Beifall für Chor und Orchester der Liebigschule im Stadttheater
Schon Wochen vor dem Termin war das Stadttheater ausverkauft. Intendantin Cathérine Miville hat ihrem Engagement für Jugendarbeit quasi ein Sahnehäubchen aufgesetzt, indem sie einem Schulorchester und -chor die Bühne des Großen Hauses zur Verfügung stellte.
Am Samstagabend bot das Musikensemble der Liebigschule dem Publikum mit dem Programm »Von Beethoven bis Star Wars« eine Kostprobe seines Niveaus. Der Titel markierte Beginn und Ende eines Konzerts, in dem auch Monteverdi, Bach, Schumann, Brahms, Verdi und der zeitgenössische Komponist Emil Tabakov Platz hatten. Die Erwartungen waren hoch, denn das Musikensemble der Schule bewirbt sich in diesem Jahrum den Titel »Bestes Schulorchester in Hessen«. Nach drei Stunden Musik aus allen Epochen und verschiedensten Gattungen gab es Standing Ovations – zu Recht. Der Rotary Club »Altes Schloss« präsentierte den Abend im Rahmen seines Hilfsfonds zugunsten des neuesten Projekts »Gießen hilft« als 1. Benefizkonzert. Der Erlös wird dem Ambulanten
Kinderhospizdienst Gießen zugutekommen. Dessen Aufgaben erläuterte der Präsident des Rotary Clubs, Prof. Peter Felix-Henningsen, der unter den Gästen auch etliche Honoratioren begrüßte, darunter den Regierungspräsidenten Dr. Lars Witteck und seine Familie sowie Ministerpräsdent Volker Bouffier und vor allem Ursula Bouffier. Denn Hessens First Lady hielt in ihrer Rolle als Schirmherrin des Benefizprojekts eine kurze Ansprache und wurde zum Dank für ihr
Engagement mit einem Bild von Til Schürmann beehrt: Hier schwebt das Stadttheater auf bunten Ballons durch eine bewegte Himmelslandschaft aus Wolken und Sonne. Durch den Abend führte als exzellenter Moderator der Direktor der Lio,Dr. Carsten Scherließ, nicht ohne einen Ehrengast aus der Gründerzeit des Schulorchesters auf die Bühne zu bitten:
Dieter Niedecken. Er war als Musiklehrer maßgeblich an Aufbau und Entwicklung des musikalischen
Lebens an der Schule beteiligt und gab einen kurzen Rückblick auf 50 Jahre. Mit Beethovens Egmont-Ouvertüre op. 84 eröffnete das Orchester in großer Besetzung das Programm. Unter der Leitung von Dr. Jörg Michael Abel entwickelte sich nach kurzer Warmspielphase konzentriertes Zusammenspiel und zunehmend dichte Dramatik. Nach diesem beachtlichen Auftakt ein Highlight der Extra- Klasse mit Georg Schuppe am Kontrabass: Der Abiturient der Lio und jetzige Musikstudent in Frankfurt rückte mit Emil Tabakovs »motivity« sein Instrument in einem kniffligen Solo in den
Mittelpunkt. Mit virtuoser Bogentechnik bestätigte er seinen Ruf als bundesweit bester Kontrabassist seines Jahrgangs.
Platz für Chor und Streichorchester: In Johann Sebastian Bachs Kantate »Herz und Mund und Tat und Leben« stellten sich das Vokalensemble und zwei Sopransolistinnen vor: Eva Käbisch (gestern noch Erster Knabe in der »Zauberflöte«
am selben Ort) und Johanna Korf, die ihre Parts souverän bewältigten. Das Kammerorchester ergänzten Alexandra Pop (Violine),Wilhelm Horn (Oboe), Alexander Gröb (Trompete) und Felix Leidinger (Cembalo). Eine große Stunde für die
Präzision und Flexibilität in unterschiedlichen Stilen schlug für den Chor mit fünfstimmigen A-cappella-Darbietungen unter der Leitung von Peter Schmitt: »In stiller Nacht« (Brahms), »Lasciate mi morire« (Monteverdi), »Im Schatten des
Waldes« (Schumann) und »Pater noster« (Verdi) mit Georg Schuppe, diesmal am Klavier.Mit Verve ins Zeug warf sich nach der Pause das große Orchester in Jean Sibelius’ Tondichtung »Finlandia«: Zunächst etwas breit im Tempo, dann beeindruckten seidige Geigen, ein beseelt intonierter Choral und das gut bestückte Schlagzeug. Als »Intermezzo« stellte Scherließ das jüngste Mitglied des Klangkörpers vor, die Geigerin Alexia aus der Klasse 6. Hollywood Ehre gemacht hätte das Orchester mit der nun folgenden Musik zu dem Film »Schindlers Liste«.Was da unter Michael Zarnikos Leitung geboten wurde, sprengte jeden Rahmen, und die jungen Musiker – allen voran die herausragende Svenja Wieser als Violinsolistin – öffneten mit viel Einsatz große Dimensionen der Imagination. Unermüdlicher Schwung auch noch nach fast drei Stunden hoch konzentrierten Musizierens in einem zum Prestissimo gesteigerten Marsch mit Schlagzeug-Pep aus »Lord of the dance«. Rauschender, nicht enden wollender Beifall nach einem in weiten Strecken richtig professionell wirkenden Musikabend verlangte Wiederholung des Prestissimo.
Olga Lappo-Danilewski, 17.01.2011, Gießener Allgemeine Zeitung